3. Traumapädagogik / Traumazentrierte Fachberatung

Präambel
Trauma und Dialog-Fähigkeit

Seit Beginn der Arbeiten zur Psychotraumatologie 1985 am Lehrstuhl Klinische Psychologie und Psychotherapie werden durch das Institut für Psychotherapie und Supervision (IPS), ab 1998 in Kooperation mit dem Münchner Institut für Traumatherapie (MIT), Aus –, Fort- und Weiterbildungen in Traumaberatung und Traumapädagogik angeboten (neben der lizenzierten Ausbildung in Traumatherapie bei Erwachsenen bzw. Kindern und Jugendlichen).
Die hier beschriebene berufliche Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte, die im Rahmen ihrer pädagogischen oder psychologischen Tätigkeit mit traumatisierten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in unterschiedlichen Arbeitsbereichen und Institutionen insbesondere des SGB tätig sind, bzw. entsprechende Verantwortung tragen. Menschen mit traumatisierenden Belastungen finden dort oftmals ihre ersten kompetenten Gesprächs- und BeratungspartnerInnen vor. Mit der Weiterbildung soll ein Beitrag dazu geleistet werden, durch Sensibilisierung und methodisches und didaktisches Wissen und Können der Fachkräfte die psycho-soziale Situation von Menschen mit Traumata zu verbessern.
Der Erfahrungshintergrund der DozentInnen erstreckt sich u. a. über folgende Bereiche:

Zivile Anwendungsfelder im Inland:

  • Erziehungs- und Familienberatung inkl. Traumasensible Elternarbeit
  • Beratung für Opfer sex. Gewalt
  • Sozialberatung; Sozialpsychiatr. Beratung
  • Trauerberatung, Beratung im Kontext von Einrichtungen der sozialen Kontrolle (z. B. Jugendämter, Familiengerichte)
  • Beratung im Kontext von Schule und schulischen Beratungsdiensten
  • Heimerziehung und Offene Kinder- und Jugendarbeit (SGB VIII) inkl. Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen
  • Sucht- und Drogenberatung, Behindertenhilfe
  • Prävention für Einsatzkräften im Gesundheitswesen
  • Stressprävention für Mitglieder von Feuerwehren und Polizei
  • Supervision von Kriseninterventionsteams
  • Psychosoziale Notfallversorgung PSNV nach Großschadensereignissen (u. a. Erfurt, Freising, Bad
    Reichenhall, Bad Aibling)
  • Betreuung von Flüchtlingen seit 1992
  • Lehrerinnen und Lehrerfortbildung (BLLV) zu traumatisierten Kindern in der Klasse
  • Einsätze nach individuellen Schicksalsschlägen

 

Internationale Einsätze:

  • Ausbildungsprogramme bei Kriegstraumatisierung in Südosteuropa, u. a. Zusatzqualifizierung von Psychagogen („Psychopädagogen“) in Bosnien, Kroatien, Serbien 1993 -2003, später im Kosovo, in Albanien, Ägypten, Sudan, Libanon)
  • Flüchtlingsarbeit im In- und Ausland
  • Ausbildung in PSNV nach Naturkatastrophen (Pakistan, Thailand, Indonesien, Haiti)
  • Terroranschläge (Nordossetien, Frankreich, Tunesien sowie deutsche Betroffene von Anschlägen
    nach der Rückkehr).

 

Die Erfahrungen sind in zahlreichen Publikationen, teils in Buchform veröffentlicht worden, u. a. Butollo und MitarbeiterInnen (2000, 2003, 2005, 2008, 2012, 2016).
Der Ansatz der in all diesen Anwendungsfeldern vermittelten in Traumaberatung und Traumapädagogik ist in erster Linie der Bedeutung sozialer Unterstützung und sozialer Ressourcen in der posttraumatischen Entwicklung verpflichtet, insbesondere der Wiederherstellung von Dialogfähigkeit und sozialer Kompetenz traumatisierter Menschen. Bei voller Anerkennung der Bedeutung klinischer Symptome im Rahmen von Traumafolgestörungen, wird der sozialen Integration in der posttraumatischen Entwicklung die größte Bedeutung zugeschrieben. Diesem Ansatz entsprechend konzentrieren sich die Interventionen vorrangig auf Faktoren der realen zwischenmenschlichen Interaktion, wie auch auf die intrapsychischen Voraussetzungen der Fähigkeit zu Kommunikation, Dialog und der Wiederherstellung von Kreativität im Kontext sozialer Interaktion. Posttraumatische Dysfunktionalität bzw. Symptomentwicklung wird als nur teilweise gelungener Versuch der protektiven Bemühungen der belasteten Menschen verstanden, ihre Stressbelastung zu bewältigen („Konzept des Guten Grundes“). Die posttraumatische Beeinträchtigung von Selbstprozessen („Traumatisiertes Selbst“) spielt diesem Ansatz zufolge dabei eine zentrale Rolle für die drohende posttraumatische Verarmung sozialer Einbindung unmittelbar Betroffener und ihres sozialen/familiären Umfeldes. Pädagogische und beratende Intervention dient der Wiederherstellung der traumainduziert ge- bzw. zerstörten Dialogfähigkeit der betroffenen Menschen. Ein Ziel, dem alle anderen Teilziele, wie Symptomreduktion, Arbeitsfähigkeit, usw. ohne deren Bedeutung zu mindern, nachgereiht werden.
Damit schließen wir uns der Ansicht vieler Pioniere im Bereich Traumaberatung und Traumatherapie an, die Onno van der Hart so auf den Punkt bringt:

„Ich glaube, dass der Kern jeder Traumatisierung in extremer Einsamkeit besteht. Im äußersten Verlassensein. Damit ist sie häufig auch eine Traumatisierung der Beziehungen und der Beziehungsfähigkeit.“

Die zwei Ausbildungsangebote zu Traumapädagogik und Traumazentrierter Fachberatung

Die Teilnehmer können wählen zwischen dem seit 1998 angebotenen, seither immer wieder adaptierten, etwas kürzeren Kursprogramm “Integrative Traumaberatung und -pädagogik ITB” des MIT und der “Traumapädagogik/Traumazentrierte Fachberatung (DeGPT/FV TP)“:

3.1 ITB – Integrative Traumaberatung und Traumapädagogik (ITB 140 UE) →

3.2 Traumapädagogik / Traumazentrierte Fachberatung
(DeGPT/FV-TP 150 UE bzw. Doppelabschluss 180 UE) →


Zur allgemeinen Erläuterung:
2017 wurde das ITB Programm durch die DeGPT lizenziert. Allerdings gelten mittlerweile neue Richtlinien, für die derzeit die Anpassung unserer ITB Ausbildung läuft. Da sich die bisher bewährte ITB Ausbildung und die von DeGPT/FV-TP geforderte erhebliche Erweiterung deutlich voneinander unterscheiden, werden zwei getrennte Ausbildungen/Fortbildungen angeboten. Nur für die dem DeGPT/FV-TP Curriculum folgende Ausbildung wird die Zertifizierung durch die zuständigen Fachverbände angestrebt. Die Entscheidung über die Zertifizierung dieses Kursprogrammes sollte bis zum intendierten Beginn der Kurse 2021 gefallen sein. Das Ausbildungsprogramm entsprechend dem DeGPT Curriculum wird durch MIT ab 2021 zusätzlich zum ITB Programm angeboten.

Pfeil Aufbau der Weiterbildung (detaillierte Aufstellung)

Die Bedingungen des neuen DeGPT/FV-TP Curriculums sind der DeGPT Internet-Seite direkt zu entnehmen. Einsicht in Inhalte und Zertifizierungsbedingungen des DeGPT/FV-TP Programmes ist über den folgenden Link zu erhalten:
PfeilDownload PDF

Beide Ausbildungen vermitteln Kenntnisse und Kompetenz zur Betreuung traumatisierter Menschen außerhalb formeller therapeutischer Rahmenbedingungen. Die Termine für Traumapädagogik/Traumazentrierte Fachberatung (DeGPT/FV TP) werden nach erfolgter Lizenzierung bekanntgegeben.
Die ITB Ausbildung hingegen orientiert sich an der bis 2017 gültigen Empfehlung der DeGPT und verbindet gestalttherapeutisch-humanistische lernpsychologisch-verhaltenstherapeutische und systemische Ansätze zu einem Bündel von Interventionen. Aus ihm kann, den posttraumatischen Entwicklungen und Bedürfnissen bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern entsprechend, eine jeweils individuelle Auswahl getroffen werden, mit Hilfe derer die destruktiven Auswirkungen posttraumatischer Reaktionen reduziert und Selbstheilungskräfte stimuliert werden. Bei Bedarf können die Kursinhalte auf die Interessen bestimmter Zielgruppen angepasst werden.

3.1 ITB – Integrative Traumaberatung und Traumapädagogik (ITB 140 UE) →

3.2 Traumapädagogik / Traumazentrierte Fachberatung
(DeGPT/FV-TP 150 UE bzw. Doppelabschluss 180 UE) →

 

Letztes Update dieser Informationen: September 2020