A3 – Dialogisch-Humanistische Therapie komplexer Traumafolgen

Ein Dialogisch-Humanistischer Therapieansatz der Arbeit mit traumatisierten Menschen fußt auf folgenden Annahmen:
Die intrapersonelle und die interpersonelle Dialogfähigkeit und -bereitschaft sind miteinander verschränkt.
Trauma als soziales Problem: Patient*innen mit Störungen des Verhaltens und Erlebens werden auch im Kontakt zu ihren Mitmenschen Besonderheiten zeigen, die wesentlich zur Chronifizierung der Traumafolgen beitragen.
Die therapeutische Arbeitsbeziehung bietet bei Hinwenden des Blicks auf die aktuelle Kontaktgestaltung vielfältige Möglichkeiten, die je individuellen Formen des In-Beziehung-Tretens und der Kontaktabbrüche festzustellen. Für die Re-Konfiguration der Selbstprozesse gilt es förderliche Alternativen zu explorieren und zu entwickeln – stets auf der Basis der jeweils aktuellen Beziehungsgestaltung (in session contact).
Der Fokus auf Wahrnehmung und Kontakt in Gegenwärtigem schwächt die Dominanz vergangener Traumainhalte in Denken und Fühlen nachhaltig. Er hilft posttraumatisch fragiles Selbst wieder zu stabilisieren – „Ab-Wesende“ lernen wieder „an-wesend“ zu sein.

Im Rahmen einer auf dieser Grundlage orientierten, vierphasigen Therapie von Traumafolgestörungen wird die Haltung mit den entsprechenden Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt und eingeübt: Aktuelle eigene Kontrollmöglichkeiten wahrnehmen und so für Sicherheit sorgen.
Stabilität des Selbst auch unter trauma-assoziierten Umständen bewahren und fördern.
„Dialogische Exposition“ – im Rahmen einer imaginierten Täterkonfrontation mit der „4-Stühle-Technik“ Alternativen für peritraumatisch erworbene erlebte Hilflosigkeit/Unterwerfung/Selbstaufgabe entwickeln.
Die Kompetenz erwerben, weiteren Grenzverletzungen im Rahmen des prinzipiell Kontrollierbaren vorzubeugen.
In der Integrationsphase durch die Traumatisierung eingetretene Veränderungen annehmen, Täterintrojekte explorieren und entschärfen, die Dialogfähigkeit stärken und neue Selbst-Antwortmöglichkeiten im Sinne einer response-ability entwickeln und ausbauen.
Förderung der Selbstwahrnehmung seitens der Therapeut*innen im Rahmen der In-Session Kontaktgestaltung als wesentliche therapeutische Ressource.

Zugangsvoraussetzungen

Zertifizierung

Inhalte der 7 Module

Modul 1(2-tägig)
Dialogisch-Humanistische Perspektive von Traumafolgen: Akute Belastungsstörung, PTBS und KPTBS: Phänomenologie und Diagnostik
Theoretische Kenntnisse und praktische Fertigkeiten zu den Prozessen während und nach einer Traumatisierung

  • Theoretische Kenntnisse und Einüben der praktischen Umsetzung einer dialogischen Haltung der Beziehungsgestaltung mit traumatisierten Patient*innen
  • Techniken der Vermittlung von Sicherheit; Exploration von Sicherheits- und Unsicherheitsprozessen
  • Grundlegendes zur Selbstwahrnehmung und einem dialogischen Verständnis des Selbstausdrucks
  • (Re-)Aktivierung sozialer Ressourcen und Kompetenzen

 

Modul 2 (2-tägig)
Posttraumatische Selbstprozesse re-stabilisieren – Kontaktgestaltung mit akut und chronisch traumatisierten Patient*innen

  • Optionen der Unterstützung von Patient*innen im Auf- und Ausbau des Selbstwirksamkeitserlebens im Dialog
  • Ausbau der Fähigkeit zur Affekttoleranz und Affektregulation
  • Wahrnehmen eigener Grenzen und Vermittlung der Fähigkeit zur Grenzziehung
  • Übungen zum therapeutischen Stil im Umgang mit traumatisierten Menschen

 

Modul 3 (2-tägig)
Dialogisch fundierte Krisenintervention

  • Notzfall- und Krisenintervention; Grundlagen therapeutischen Arbeitens an non-komplexer Traumatisiserung
  • Einführung in situative und dialogische Exposition

 

Module 4 & 5 (jeweils 2-tägig)
Kontaktprozessen mit komplex traumatisierten Patient*innen:
Phänomenologie, funktionale und dysfunktionale Bewältigungsstrategien aus einer dialogisch-humanistischen Perspektive

  • Besonderheiten einer dialogischen Beziehungsgestaltung
  • Selbstprozesse auf Patient*innenseite; Entwicklung von Selbst-Fürsorge und einer Erweiterung von Selbst-Antwortmöglichkeiten im Umgang mit Gedanken, Gefühlen und Impulsen; Arbeit an dysfunktionalen Prozessen der Selbst- und Fremdbewertung
  • Dialogische Arbeit in intrapsychischen Prozessen der Scham, der Schuld und des Schuldgefühls, des Ekels; Arbeit mit Täterintrojekten: Folgen sexualisierter Gewalt für Selbstprozesse und Kontaktgestaltung
  • Zum Dialogisch-Humanistischen Verständnis und Umgang mit Dissoziationstendenzen
  • (Täter-)Expositionstechniken mit besonderer Gewichtung der „4-Stühle-Technik“
  • Weiterleben nach dem Trauma mit einem verbesserten Umgang mit der Symptomatik und einem Akzeptieren der Tatsache einer prinzipiellen Begrenztheit eigener Kontrollmöglichkeiten
  • Traumafolgen für die Persönlichkeit
  • Übungen an Fallbeispielen aus der Praxis

 

Modul 6 (2-tägig)
Kollektive Traumatisierung:

  • Krieg, Folter, Flucht und Traumatisierung
  • Folgen sexualisierter Gewalt
  • Psychohygiene auf therapeutischer Seite: Arbeit an traumarelevanten, biographischen Erfahrungen
  • Sensibilisieren für Prozesse und Symptome der sekundären Traumatisierung und Optionen der Prävention eigenen Burn-Outs

 

Modul 7
Gruppen-Supervision:
An zwei Tagen an Fällen aus dem eigenen Tätigkeitsfeld

 

Das gesamte DHTT Curriculum besteht aus drei Abschnitten, die auch getrennt gebucht werden können. Hier der Überblick:

A3 Dialogisch-Humanistische Traumatherapie (142 UE)

Abschnitt I: A 3.1 Basiskurs Dialogisch-Humanistische Traumatherapie
Wochenendkurse oder Blockkurse
Abschnitt II: A 3.2 Vertiefung Dialogisch-Humanistische Traumatherapie
Wochenendkurse oder Blockkurse
Abschnitt III: A 3.3 Supervision und Abschlusskolloquium

3.1 – 3.2: je 60 ÜE;
3.3: 20 ÜE plus 2 Einzel ÜE

Kosten

Pro Kurstag 245.- €,
Pro Modul (2 Tage) 490.– €
MIT Zertifizierung (optional): 445.– €

Link zur Buchung der Seminare