Traumasensibilität und Traumakompetenz für Helfer:innen und interessierte Laien

Traumatische Erfahrungen führen nicht selten zu Handlungsweisen, Gefühlen und Konflikten, die für Außenstehende oft schwer zu verstehen sind und für sie irritierend sein können. Das MIT – Münchner Institut für Traumatherapie, in Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein zur Förderung wissenschaftlich fundierter Psychotherapie e. V., bietet aus gegebenem Anlass einen Online-Kurs zur Förderung der Kompetenz im Kontakt mit traumatisierten Menschen an. Das Angebot richtet sich in erster Linie an Helfer:innen und interessierte Laien.

Unsere Kurse

Das Kursangebot
1. Grundlagenkenntnisse über Traumatisierung
2. Soziale Schwierigkeiten und Traumafolgen
3. Psychosozialer Schutz für HelferInnen und Ehrenamtliche
4. Supervision für HelferInnen und Ehrenamtliche
5. und 6. Traumafokussierte Selbsterfahrung

Kursformate
Zwei Termine pro Monat – 18.00 bis 21.00 Uhr

6 Kurstage á 5 Unterrichtseinheiten.
Die Kurse werden ausschließlich online angeboten.

Termine
Leider können wir aktuell keine weiteren Kurse planen. Falls sich das ändert, können Sie hier die Termine dazu finden.

Anmeldung
via E-Mail: ehrenamt@traumatherapie-institut.de

Kosten
Dank einer großzügigen Spende können die Termine gratis angeboten werden, solange der Spendenvorrat reicht.

Videoaufzeichnung der Online-Veranstaltung vom 13. Mai 2022:

„Kontakt mit traumatisierten Geflüchteten“ – Einführung in die Grundlagen“

Inhaltliche Informationen

Geflüchtete Menschen haben in der Regel nicht nur eine traumatische Erfahrung, sondern eine Vielzahl von extrem belastenden Erlebnissen verkraften müssen. Sie konnten diese in den Wirren der Flucht und angesichts andauernder Krisen noch nicht angemessen verarbeiten. Traumatische Erfahrungen führen nicht selten zu Handlungsweisen, Gefühlen und Konflikten, die für Außenstehende oft schwer zu verstehen sind und für sie irritierend sein können. Das belastet die zwischenmenschlichen Beziehungen unter Umständen erheblich, führt leicht zu Missverständnissen, Kränkungen, Enttäuschungen auf beiden Seiten, bei Geflüchteten wie bei HelferInnen. Fälschlich kann dann das Verhalten traumatisierter Menschen als undankbar, argwöhnisch, unverlässlich, zu fordernd, oder sogar als aggressiv bis bedrohlich, das Verhalten der HelferInnen als arrogant, abweisend, vielleicht auch herrisch oder nicht einfühlsam erlebt werden. Flucht selbst birgt zusätzliche Traumarisiken – positive Erstkontakte hingegen sind prägend – gelingen sie, wird eine wesentliche Weichenstellung für die spätere Traumaverarbeitung geschaffen.

Missverständnisse
Im Kontakt kommt es leicht zu Missverständnissen, da die durch Traumata Belasteten sich unter Stress so verhalten, dass ihre Mitmenschen sie nicht verstehen. Manchmal setzen wie automatisch ablaufende Handlungen ein, die andere verstören können – Kontaktabbruch, heftige Gefühlsausbrüche, Angstattacken, Wutanfälle, aber auch völliges Verstummen, Verbitterung, um nur einige zu nennen. Dabei handelt es sich meist um Schutzreflexe, die während der traumatischen Ereignisse sinnvoll gewesen sein mögen, in der jetzt vergleichsweise sicheren Umgebung aber unpassend erscheinen. Das führt schnell zu Störungen im Kontakt zwischen traumatisierten Geflüchteten und ihren HelferInnen, wodurch die Hilfeleistungen unter- oder gar abgebrochen werden. Schnell kann das dann zum Rückzug der HelferInnen führen. Ersthilfe ist aber wichtig und soll nicht durch eventuelle Schwierigkeiten vermieden oder abgebrochen werden. Es ist normal, dass man sich im Kontakt mit schwer belasteten Menschen erst einmal unsicher fühlt. Man hilft dann eben weiter, während und obwohl man unsicher ist …

Stressbelastung der HelferInnen
Eine Häufung von schwer zu verstehenden Handlungen der Geflüchteten kann seitens der HelferInnen zu einer Vermehrung von Stressbelastung führen, wodurch das Risiko von Burnout-Entwicklungen steigt. Ohnehin bestehende Probleme (Arbeitsabläufe, Überlastung, Fehlplanung, Spannungen im Team usw.) verstärken chronisch negative Gefühle in der Arbeit – mit gesundheitlichen Folgerisiken. Ein unverhältnismäßig hoher Preis des Helfens. HelferInnen lernen in diesem Prozess auch sehr viel Nützliches über sich. Es soll daran aber nicht das Helfen scheitern, sondern es kann stattdessen die traumaspezifische Kompetenz der Helfer verbessert werden.

Traumasensibilität und Traumakompetenz
Eine bessere Kenntnis der typischen Denk- und Handlungsweisen traumatisierter Menschen kann hier konfliktlösend wirken. Die Schulung von Handlungs- und Denkweisen auf Seiten der BetreuerInnen hilft auch, solche Missverständnisse zu entschärfen und drohenden Fehlentwicklungen in der Zusammenarbeit von Traumatisierten und ihren BetreuerInnen vorzubeugen.

Das MIT – Münchner Institut für Traumatherapie, in Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein zur Förderung wissenschaftlich fundierter Psychotherapie e. V., bietet aus gegebenem Anlass eine praxisnahe Ausbildung zur Förderung der Kompetenz im Umgang mit traumatisierten Menschen an. Das Angebot richtet sich in erster Linie an FlüchtlingshelferInnen, Ehrenamtliche, WohnungsgeberInnnen, aber auch an beruflich mit Flüchtlingen beschäftigte Menschen, die unmittelbaren Kontakt mit traumatisierten Menschen haben.
Die Ausbildung wird von Prof. emer. Dr. Willi Butollo geleitet, einem der ersten Traumatherapeuten in Deutschland, der seit mehr als 50 Jahren Erfahrung mit traumatisierten Menschen sammeln konnte. Dazu gehört auch eine jahrzehntelange Arbeit mit Kriegstraumatisierten in und aus Süd-Ost-Europa, vor allem Bosnien und Kosova.

 

Zuletzt aktualisiert: November 2023